Ausrüstungscheck

Checkliste Winterbiwak

Was genau muss mit, wenn man sich im Winter mal für eine Nacht aus der Zivilisation verabschieden möchte? Neben entsprechender Kleidung und etwas zu essen empfehle ich folgende Ausrüstung:

Checkliste Winterbiwak

1: Hobo-Kocher – Diese Kochstelle funktioniert nach dem Kaminprinzip. Es reichen kleine Zweige und Ästchen aus, um damit in kurzer Zeit Wasser zu kochen oder Essen zu erwärmen. Benannt ist das Ganze nach den US-Amerikanischen Wanderarbeitern, den so genannten Hobos, die mit ähnlichen Öfen heizten und kochten. Der Hobo ist schnell auf- und abgebaut und passt klein zusammengelegt immer in den Rucksack. Außerdem ist er mit um die 20€ relativ preiswert und mit einem Gewicht von knapp unter 500 Gramm ist man bei der Edelstahlvariante i.d.R. gut dabei.

2: MediPack – Eine Grundversorgung mit Verbandmaterial, Schmerztabletten, individuell benötigten Medikamenten sowie Hygieneausstattung gehört immer zur Standard-Ausrüstung. Selbst bei eintägigen Ausflügen habe ich diese immer dabei, weil einfach immer etwas unvorhergesehenes geschehen kann. Bei mir besteht der Inhalt des Packs aus folgenden Bestandteilen: Mullkompressen, Wundauflagen, Fixierbandagen, einigen Pflastern, zwei Rettungsdecken, Gummihandschuhen, 2x Ibuprofen, 2x Paracetamol, Gehörschutz, 1x Gaviscon. Daneben enthält es noch Hygieneartikel wie Zahnpasta, Toilettenpapier und eine Zahnbürste.

3: BW-Isomatte – In meinen Augen ist die BW-Isomatte in mehrfacher Hinsicht genial. Sie ist preiswert, zusammengefaltet ein prima Sitzkissen, sie ist extrem robust, isoliert relativ gut und ergänzt als Rückenpolster den klassischen BW-Jägerrucksack perfekt. Im Winter bietet sie mir allein allerdings zu wenig Bodenabstand, was entweder durch eine Unterfütterung mit Reisig / dünnen Zweigen oder durch eine zusätzliche Luftmatratze verbessert werden kann.

4: Schlafsack – An diesem Ausrüstungsgegenstand sollte aus meiner Sicht nicht gespart werden, wenn das Ziel ein Winterbiwak ist. Es wird nachts im verschneiten Wald verdammt kalt und die Nacht im Winter ist obendrein auch sehr lang. Ich bevorzuge ein Daunenmodell, da es sich extrem gut komprimieren lässt und super angenehm anfühlt. Bitte lasst euch niemals von den Angaben für Extremtemperaturen verleiten, die Komfortzone sollte eure unterste Temperaturgrenze sein. Beim Kauf eines Schlafsacks halte ich es für super wichtig sich ordentlich beraten zu lassen und diesen nicht einfach so online zu kaufen.

5: Luftmatratze – Der zweite Gegenstand an dem ich nicht sparen würde. Eine gute Luftmatratze besteht aus einem speziell beschichteten Material, das eine zusätzliche Isolation begünstigt. Darüber hinaus ist sie im Packmaß deutlich kleiner und auch wesentlich leichter als preiswerte Modelle. Zu guter Letzt sind hochwertige Luftmatratzen auch an der Oberfläche mit einer anti-Rutsch-Beschichtung versehen, was ein ständiges Abrutschen in der Nacht verhindert.

6: Netzschal – Alternativ geht auch ein Shemagh. Für mich ein weiteres universell einsetzbares Ausrüstungsteil. Im Winter dient es nicht nur als Schal sondern bspw. im Schlafsack um die Füße gewickelt als zusätzliche Isolationsschicht.

7: Anzündholz – Im Winter ist trockenes Holz im Wald extrem rar. Aus diesem Grund nehme ich bei Wintertouren gern ein paar Hand voll klein gehacktes, trockenes Anzündholz mit. Ein Sack kostet im Baumarkt rund 3€ und reicht, je nach Verbrauch für 2-3 Touren. Ich stecke die Hölzer beim Packen in alle möglichen Lücken und kann auf diese Weise eigentlich immer eine ausreichende Menge unterbringen. Wenn das erste Feuer aus diesem Holz brennt, kann man rings herum bereits feuchtes Holz aus dem Wald vortrocknen und dann Stück für Stück damit das mitgebrachte Holz ersetzen.

8: Elektronik – in diesem Fall eine Kopflampe und eine Powerbank. Wer nachts im Wald das Camp auf- oder abbaut oder bei Dunkelheit Feuerholz sammeln muss, der wird über eine Kopflampe sehr froh sein. Man behält die Hände frei und das Licht folgt stets dem Blick. Eine Powerbank habe ich dabei, um einem Ausfall des Telefons durch ein leeres Akku entgegen zu wirken. Bei kalten Temperaturen verlieren Batterien und Akkus schneller ihre Energie. Hinzu kommt, dass der Empfang im Wald oft eher schlecht ist und das Smartphone-Akku durch permanente Netzsuche schneller verbraucht wird. Über Nacht kann man das Smartphone und die Powerbank mit in den Schlafsack nehmen und so bei Körpertemperatur effizienter wieder aufladen.

9: Feuerzubehör – In einem kleinen Beutel habe ich weiteres Zubehör, mit dem ich ein Feuer entfachen kann bzw. das mir den Aufenthalt im Camp gemütlicher macht. Dazu zählt eine kleine Zunderbox, einige Teelichter, ein zweites Feuerzeug, ein Feuerstahl, ein paar Teebeutel und ein Trangia-Spiritusbrenner. Der Brenner ist in Kombination mit dem Hobo-Kocher die perfekte Lösung, wenn man unterwegs schnell mal eine Tasse Tee kochen möchte. Meist nutze ich diese Kombi bei Wanderpausen oder wenn ich mir am Morgen ein heißes Getränk zubereite, bevor ich das Camp abbaue.

10: Trinkflasche – Angelehnt an die US-Feldflasche in Nierenform und mit dem Fassungsvermögen von 1L Wasser sind moderne Nalgene-Flaschen jedoch deutlich leichter und kosten online um die 8-10 €. Die Flasche stellt meine absolute Grundversorgung an Wasser dar. Wenn ich in wasserarmen Gebieten unterwegs bin, dann ergänze ich diese noch durch eine zusätzliche 1L PET-Flasche.

11: US-Kochgeschirr – Der Feldflaschenbecher mit dazu gehörigem Deckel passt perfekt mit der Trinkflasche in die Feldflaschentasche (17). Ich empfehle den Becher in der Edelstahlvariante zu kaufen. Das kostet um die 15 € und ich koche darin meinen Tee/Kaffee und bereite mir darin mein Essen zu (natürlich nicht gleichzeitig ;)). Für den Fall, das der Ausflug mehr als eine Nacht dauert, würde ich aber zusätzlich eine kleine Pfanne bzw. einen kleinen Topf mitnehmen.

12: Essbesteck – Auch von der Bundeswehr. Ist praktisch, weil alles dabei ist und man es zusammen gesteckt gut und kompakt verstauen kann. Das Besteckset ist preiswert zu haben, leider existieren sehr viele extrem billige Nachbauten, die sich z.T. bei Gebrauch verbiegen. Ich empfehle daher das Besteck im nächst gelegenen Outdoor- oder Natoshop zu kaufen bzw. bei einem solchen Anbieter online zu bestellen.

13: Handschuhe – Davon habe ich im Winter immer zwei Paar dabei. Zum einen nutze ich Lederhandschuhe während der Wanderung und bei allen Arbeiten am und im Camp. Der Vorteil ist, dass diese wasserdicht sind und die Finger gut vor Dornen oder Splittern etc. schützen. Zur Nacht im Schlafsack oder abends im Camp hingegen habe ich ein paar Softshell-Handschuhe dabei. Die sind angenehmer zu tragen, trocken und halten im Schlafsack die Hände warm.

14: EDC – Every Day Carry, also ein Set an Gegenständen, welches ich täglich dabei habe. Hierin befindet sich u.a. ein wasserfester Notizblock, eine Tactical Pen, ein bisschen Panzertape, Taschentücher, Feuerzeug und weiteres Kleinzeug. Und wie im Alltag begleitet mich dieses Set auch bei einem Ausflug in die Natur.

15: Tarp und Heringe / Stange – Anstelle eines Zelts verwende ich eine 3×3 m Plane (Tarp), die speziell für den Outdooreinsatz mit diversen Befestigungspunkten versehen ist. Das ermöglicht eine Vielzahl an Aufbauvarianten und man kann sich dadurch flexibel auf die örtlichen Gegebenheiten anpassen. Es geht natürlich auch deutlich einfacher und entsprechend preiswerter mit einer Plane vom Baumarkt. Diese Planen sind recht robust und erfüllen ihren Zweck ebenso. Auf Grund des relativ günstigen Preises schmerzt ein eventuelles Brandloch durch Funkenflug vom Lagerfeuer auch deutlich weniger. Der Nachteil ist dafür, dass die Baumarkt-Planen etwas schwerer sind und ein deutlich größeres Packmaß haben. Dazu nehme ich ein Zeltgeschirr von der Bundeswehr. Dieses besteht aus fünf Heringen und einer fünfteiligen Zeltstange, da gibt es aber sicherlich auch (bessere) Alternativen. Wichtig ist, dass die Heringe robust sind, da diese im Winter bei gefrorenem Boden auch mal sehr beherzt in den Boden getreten werden müssen.

16: Messer – Eins ist keins und zwei sind eins. Die für mich beste Kombi besteht aus einem größeren, stabilen Messer und einem zusätzlichen Neckknife. Mit dem großen Messer führe ich gröbere Arbeiten durch, wie bspw. Feuerholz auf die passende Länge zu kappen oder auch mal eine Konservendose zu öffnen. Das kleine Messer dient mir dazu Nahrungsmittel zu schneiden oder feinere Schnitzarbeiten durchzuführen. Natürlich ginge all das auch mit nur einem Messer aber es soll ja auch Spaß machen J

17: US-Feldflaschentasche – In dieser Tasche transportiere ich die Flasche und das dazu passende Kochgeschirr. Die Tasche befestige ich dazu am Hüftgurt des Rucksacks oder am Gürtel, so dass ich sie stets griffbereit dabei habe. Auch hier befindet sich in einer der Seitentaschen noch ein Feuerzeug und ein bisschen Zunder. Am besten kauft man diese zusammen mit der Flasche und dem Trinkbecher/Kochgeschirr als Set.

18: Poncho – In meinem Fall wieder ein Relikt der Bundeswehr. Dieser Poncho besteht aus gummiertem Gewebematerial und ist mega robust. Er kann obendrein auch als Notunterkunft aufgespannt werden, falls das Tarp aus irgendwelchen Gründen verloren gegangen ist oder beschädigt wurde. Alternativ dient er auch als wasserfeste Unterlage. Obendrein ist er unanfällig für Funkenflug und hält Träger inklusive Rucksack perfekt trocken, wenn man ihn als Poncho trägt. Dafür ist er deutlich schwerer als vergleichbare zivile hightech-Ponchos.

19: Skimaske / Sturmhaube – Ich verwende diese eigentlich nur in der Nacht um möglichst wenig freie Haut der kalten Luft auszusetzen. Ist sicherlich nicht zwingend notwendig aber für mein Empfinden angenehmer.

20: Schlafsocken – Wenn man den ganzen Tag draußen unterwegs ist und die Füße permanent in festen Schuhen stecken, dann nehmen die Socken zwangsläufig Feuchtigkeit auf. Das ist nicht weiter schlimm, dafür sind sie ja gemacht. Wenn man aber am Abend die Schuhe auszieht und sich in den Schlafsack legt, dann ist es enorm wichtig sich trockene Socken anzuziehen. Feuchtigkeit ist ein sehr guter Wärmeleiter. Aus diesem Grund kühlen Füße in feuchten Socken deutlich schneller aus. Am besten zieht man zum Schlafen daher (Merino)Wollsocken an und nimmt die getragenen Socken mit in den Schlafsack, damit diese über Nacht wieder trocknen können.

Das ganze passt gut in einen BW-Jägerrucksack und ist somit perfekt geeignet für eine Tageswanderung mit Übernachtung in der Natur.

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