Abenteuer

Von Bunkern und Stollen

Neben dem Klettern fasziniert es mich in alle möglichen unterirdischen Hohlräume zu kriechen und diese zu erkunden. So habe ich schon als Teenager davon profitiert, dass es im Berliner Umland eine Vielzahl versteckter und z.T. vergessener alter Bunkeranlagen gibt. Einige davon sind mehrere Stockwerke tief, andere recken ihre verzweigten Arme über hunderte Meter weit in alle Himmelsrichtungen. Unglaublich spannend ist immer wieder der Moment, in dem man abtaucht in diese unterirdische, fremde Welt voller bizarrer Formen und rostiger alter Relikte.

Bunkereingang

Hier in meiner neuen Heimat gibt es nur wenige zugängliche Bunkeranlagen, dafür aber viele alte Bergwerksstollen. Wer sich die Mühe macht und bereit ist ein wenig Rechercheaufwand auf sich zu nehmen, der kann auch im Rheinland und am Mittelrhein spannende kleine Abenteuer unter der Erde erleben.

Sehr gut funktioniert das auf den Seiten der „Historic Place Karten„, auf denen alte Stollen inkl. der GPS-Daten eingezeichnet sind. Bei den bekannten Stollen kann man allerdings i.d.R. davon ausgehen, dass diese entweder verschüttet, versiegelt oder zur kommerziellen Nutzung freigegeben sind. Einige dieser alten Stollen sind jedoch schlichtweg in Vergessenheit geraten und somit noch immer zugänglich.

Nach der Recherche kommt also Schritt Nummer 2, die Suche. Habe ich mir ein Gebiet mit hoher Stollendichte herausgesucht, dann speichere ich die Koordinaten der bekannten Eingänge aufs GPS-Gerät und begebe ich mich auf Entdeckungstour. Ich fahre hin und streife durch das Gebiet. Dabei suche ich nach allen Anzeichen, die auf historische Bergbauaktivitäten schließen lassen. Das können bspw. alte Abraumhalden oder Transportwege im Wald sein. Manchmal findet man auch Mauerreste oder rostige Schienen im Wald. Häufig stößt man hierbei auf versiegelte Stolleneingänge bzw. ehemalige Lüftungsschächte. Oft geht man an solchen Tagen ohne Entdeckung nach Hause, manchmal aber steht man plötzlich vor einem Loch.

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Eingang alter Stollen

Ab diesem Moment wird es richtig spannend. Mit der richtigen Ausrüstung beginnt jetzt eine Reise in die Vergangenheit. Eine Reise, die 99% der restlichen Bevölkerung niemals unternehmen werden. Manchmal ist sie kurz und bereits nach wenigen Metern schon vorbei, manchmal hingegen kann man durchaus einige hundert Meter Stollen erkunden und ganz, ganz selten hat man am Ende eine so unglaubliche Aussicht wie hier.

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Ausblick auf den Rhein aus altem Stollen

Das Ganze unterirdische „Herumgekrieche“  ist allerdings auch mit Gefahren verbunden, das muss einem klar sein. So gilt es einiges bei der Begehung von unterirdischen Höhlen/Bunkern/Stollen zu beachten:

  • Alle samt sind im Winter absolut Tabu! Der Grund sind Fledermäuse, die hier ihre Winterruhe halten und dabei keinesfalls gestört werden dürfen.
  • Vor allem in künstlich geschaffenen Hohlräumen wie Stollen können sich durch Verrottung organischer Materialien Kohlenmonoxide bilden. Hierbei besteht Erstickungsgefahr!
  • Geht niemals allein los, sondern am besten immer zu dritt. So kann stets jemand bei einem eventuell Verletzten bleiben, während der andere Hilfe holt.
  • Ein gutes Erste-Hilfe-Set gehört in jede Ausrüstung und der Umgang damit muss bekannt sein.
  • Es geht um Spaß! Macht also nichts, worauf ihr keine Lust habt. Es absolut richtig einen Stollen nicht zu betreten, wenn ihr ein schlechtes Gefühl dabei habt.

Genießt also die Zeit draußen und erlaubt euch die kleinen Abenteuer und Ausbrüche aus dem Alltag. Übernehmt Verantwortung für euch selbst und seid vorsichtig. Kein Abenteuer ist es wert, dass ihr eure Gesundheit oder gar euer Leben dafür riskiert.

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